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Aus der Praxis · Juli 2026

Intersolar 2026: Was uns in München wirklich aufgefallen ist

Veröffentlicht: 12. Juli 2026 Lesezeit: ca. 6 Minuten Text: Team JFR ImmoEnergy · Bielefeld

Wir waren wieder auf der Intersolar in München – zusammen mit The smarter E Europe, also PV, Speicher, Wallboxen und Energiemanagement unter einem Dach. Nach drei Tagen, zu viel Messe-Kaffee und gefühlt hundert Gesprächen mit Herstellern und Installateuren bleibt bei uns vor allem eins hängen: Es geht längst nicht mehr ums Modul an sich. Es geht darum, ob Strom, Wärme und Speicher zusammen funktionieren – oder ob man fünf Einzelteile im Haus hat, die sich gegenseitig ignorieren.

Erster Eindruck: weniger „Megawatt“, mehr Systemdenken

Man merkt es schon am Messe-Eingang: Überall hängen Schilder mit „Energy Management“, „Systemintegration“, „KI“. Vor zwei, drei Jahren war noch die Modul-Wirkungsgrad-Zahl das Größte auf dem Plakat. 2026 ist das eher die Fußnote.

Was heißt das für Sie in Bielefeld, Gütersloh oder OWL? Ganz schlicht: Wer heute PV plant, sollte nicht nur fragen „Was kostet das kWp?“, sondern „Wohin mit dem Strom, wenn die Wärmepumpe läuft und das Auto laden will?“ Genau darum dreht sich die Messe – und genau da hängen in der Praxis die meisten Probleme, die wir in der Beratung sehen.

Kurz und ohne Marketing: Die Branche verkauft 2026 eher ein Energiekonzept als eine Anlage auf dem Dach. Ob das bei Ihnen Sinn macht, hängt vom Haus ab – nicht vom Messe-Stand.

PV + Wärmepumpe: endlich ein Thema, nicht zwei Projekte

Was uns positiv überrascht hat: Viele Hersteller zeigen inzwischen, wie Überschussstrom die Wärmepumpe mitsteuern kann – Puffer vorheizen, statt alles ins Netz zu drücken. Klingt technisch, ist im Alltag aber der Unterschied zwischen „Solaranlage vorhanden“ und „Solaranlage nutzen“.

Bei uns in der Region sehen wir leider noch oft das Gegenteil: Erst kommt die Wärmepumpe, das Dach macht man „irgendwann“. Nach der Messe würden wir das umdrehen – wer 2026 in NRW ohnehin das Dach neu macht, läuft früher oder später in die Solarpflicht. Dann nervt es, wenn Kabelwege und Speicherplatz nachträglich teuer werden.

Wer tiefer in die Messe-Themen einsteigen will (Speicher, EMS, deutsche Regulatorik), dem hat c’t eine gute Folge dazu gemacht – ähnlich trocken erzählt wie wir es hier versuchen: Solarmesse Trends: PV und Speicher (YouTube).

Speicher: überall, aber nicht für jeden Pflicht

Speicher standen in praktisch jeder Halle. Von 5 kWh fürs Reihenhaus bis zum Container fürs Gewerbe – alles dabei. Preise wirken stabiler als 2023/24, dafür wird bei Brandschutz und Zertifizierung genauer hingeschaut. Das ist gut so, aber es macht die Planung etwas langsamer.

Unsere ehrliche Einschätzung aus der Beratung: Ein Speicher lohnt sich oft, wenn tagsüber wenig jemand zuhause ist und trotzdem Wärmepumpe oder E-Auto dazukommen. Oder wenn dynamische Tarife genutzt werden. Wer tagsüber eh viel verbraucht und keinen großen Lastverschiebe-Bedarf hat – da würden wir nicht automatisch das teuerste Modell mitverkaufen wollen.

Viele Anlagen sind „speicher-ready“. Nachrüsten geht – ist aber selten billiger als die Mitplanung beim Erstbau. Das haben uns auf der Messe auch Installateure bestätigt, nicht nur Hersteller.

Module teurer – das sollten Sie wissen

Da wurde auf der Messe relativ offen drüber geredet: Modulpreise liegen 2026 spürbar über dem Niveau vom Jahresanfang. Der jahrelange Preisverfall ist erstmal Pause. Für Eigentümer heißt das: Das Schnäppchen-Angebot von 2024 ist nicht der Maßstab für 2026.

Gleichzeitig steckt in den neuen Modulen mehr drin – 440–460 Wp auf Standardgröße ist Normalität, Glas-Glas und Full-Black auch. In Bielefelder Reihen- und Doppelhaussiedlungen mit begrenztem Dach ist das praktisch: weniger Module für gleiche Leistung. Oder bei gleicher Modulzahl mehr kWp – relevant, wenn die Solarpflicht greift.

KI und EMS – viel Buzzword, etwas dahinter

Okay, „KI“ stand auf jedem zweiten Messe-Banner. Ehrlich gesagt: Die Hälfte davon ist ein schicker Monitor mit Prognosekurve. Die andere Hälfte macht tatsächlich was Sinnvolles – PV-Vorhersage, Wetter, Waschmaschine in die Sonnenstunde schieben, Wärmepumpe drosseln, wenn der Speicher leer ist.

Die Kernfrage für uns: Wird der Strom billiger oder nur die App bunter? Gutes Energiemanagement beides. Schlechtes ist teure Software, die dasselbe zeigt wie der Wechselrichter. Unser Tipp nach der Messe: EMS erst einplanen, wenn mindestens zwei Verbraucher intelligent gekoppelt werden sollen – Wärmepumpe + Auto, oder Wärmepumpe + Speicher. Nicht als Gadget.

Solarpflicht NRW – die Messe trifft die Baustelle

Parallel zur Messe wird in NRW die Solarpflicht bei Vollsanierung des Dachs (Baubeginn ab 01.01.2026) langsam Alltag auf den Baustellen. Das passt zum Messe-Bild: PV ist kein Nice-to-have mehr, sondern Teil der Sanierung.

Konkret: Bei kompletter Erneuerung von Abdichtung oder Eindeckung mindestens 30 % der Nettodachfläche mit PV – oder die Pauschale (3, 4 oder 8 kWp je nach Wohnungen). Einzelne Ziegel austauschen reicht nicht. Im PV-Planer kann man die Dachfläche grob zeichnen und checken, ob man die Pflicht erfüllt.

Auf der Messe gab es dazu viele Lösungen fürs Bestandsdach: leichte Unterkonstruktionen, Kabelwege, Brandschutz. Alles Dinge, die man mit dem Dachdecker klären sollte – nicht erst, wenn das Gerüst wieder weg ist.

Was bleibt bis 2028?

Prognosen sind immer etwas Wurst – trotzdem fünf Dinge, die wir aus Messe und Projekten mitnehmen:

PV + Speicher + EMS wird ähnlich normal wie „Wärmepumpe + Heizlast“. Förderung belohnt eher Pakete als Einzelmodule. Flächenknappheit auf dem Dach treibt bessere Module statt „alles voll“. Netzengpässe in manchen Regionen machen Speicher wirtschaftlicher. Und: Beratung schlägt Billigangebot – weil Statik, Brandschutz und Fördercheck bei Schnäppchen oft fehlen.

Unser Fazit: Intersolar 2026 hat bestätigt, was wir ohnehin täglich sehen – Solar lohnt sich, aber die Reihenfolge macht’s. Dach, Heizung, Förderung zusammen denken spart Geld. Nur Modulpreise vergleichen verschenkt Potenzial.

Was Sie konkret tun können

Dachsanierung ansteht? Erst im PV-Planer Fläche und Pflicht prüfen. Größere Sanierung? Ein iSFP bringt Struktur und den +5 % Förderbonus. Heizung im Fokus? BEG-Reform ab 21.07.2026 nicht vergessen. Und wenn Sie wollen, dass jemand Ihre Situation einordnet – melden Sie sich, wir sitzen in Bielefeld, nicht irgendwo anonym am Telefon.

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Hinweis: Messe-Eindrücke aus München, Juli 2026 – keine Produktwerbung. Zahlen und Preise können sich schnell ändern; vor Investition immer individuell prüfen.

PV & Förderung – aus einer Hand?

Wir schauen uns Ihr Dach, die Solarpflicht und die Förderung an. Neutral, aus Bielefeld.

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